Fetisch
Der Begriff Fetisch (oder im englischen „fetish“) bezeichnet ein breites Spektrum an Bedeutungen, die sowohl kulturell, psychologisch als auch sexuell relevant sind. Ursprünglich stammt das Wort aus dem Portugiesischen („feitiço“ = Zauber, künstlich hergestellt) und wurde in der Kolonialzeit für Gegenstände verwendet, denen besondere, übernatürliche Kräfte zugeschrieben wurden. In der Ethnologie beschreibt man damit Objekte, die innerhalb bestimmter Kulturen mit spiritueller oder religiöser Bedeutung aufgeladen sind. In westlichen Diskursen hat sich der Begriff jedoch stark in Richtung Sexualität verschoben.
Im anthropologischen Sinne bezeichnet ein Fetisch ein Objekt, dem über seine materielle Beschaffenheit hinaus eine besondere Wirkung zugesprochen wird. Beispiele finden sich in afrikanischen Religionen, im Vodou oder in indigenen Traditionen, wo bestimmte Figuren, Amulette oder Masken als Vermittler zwischen Menschen und spirituellen Kräften dienen. Solche Fetische sind also keine bloßen Dinge, sondern tragen symbolische Macht und spielen eine zentrale Rolle im kollektiven Leben.
In der Psychologie und Sexualwissenschaft bekam der Begriff eine neue Wendung. Sigmund Freud und andere frühe Psychoanalytiker verwendeten „Fetischismus“, um bestimmte Formen sexueller Ausrichtung zu erklären, bei denen nicht der menschliche Körper an sich, sondern ein bestimmter Gegenstand, ein Material oder ein Körperteil das primäre Objekt der Erregung darstellt. Klassische Beispiele sind Schuhe, Leder, Latex oder Füße. Freud sah darin eine Form von „Verschiebung“ oder „Ersatz“ für das eigentliche sexuelle Objekt. Spätere Theorien betonen hingegen die Vielfalt menschlicher Lust und ordnen Fetische nicht automatisch als „abweichend“ ein.
Im zeitgenössischen Verständnis werden sexuelle Fetische zunehmend normalisiert. Innerhalb der BDSM-Szene und alternativen Sexualkulturen spricht man eher von „Kinks“ oder „Vorlieben“, die Teil eines einvernehmlichen Spiels sind. Fetische sind dabei nicht unbedingt zwingend für die Sexualität einer Person, können jedoch eine intensive Rolle für Lust und Erregung spielen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einvernehmlichen Praktiken und pathologischen Formen, bei denen Menschen ohne Zustimmung oder mit Leidensdruck agieren.
Ein weiterer Aspekt ist die gesellschaftliche Wahrnehmung von Fetischen. Während einige Vorlieben gesellschaftlich akzeptierter geworden sind, bleiben andere stigmatisiert. Medien und Popkultur tragen einerseits zur Verbreitung und Sichtbarkeit bei, reproduzieren aber oft auch Klischees. Das Internet hat eine neue Offenheit geschaffen, da Menschen weltweit in Foren oder Communities Austausch über ihre Neigungen finden können, was wiederum zu einer Entpathologisierung beiträgt.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Fetisch ein vielschichtiges Phänomen ist. Er bewegt sich zwischen Kulturgeschichte, Anthropologie, Psychologie und moderner Sexualität. Von spirituell aufgeladenen Objekten bis hin zu sexuellen Vorlieben beschreibt er immer eine besondere Intensität, die über das Alltägliche hinausgeht. Fetische werfen Fragen über das Verhältnis von Körper, Symbol, Macht und Begehren auf – und zeigen, wie kreativ, vielfältig und individuell menschliche Erfahrungen sein können.
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Devot
Der Begriff devot leitet sich vom lateinischen devotus („ergeben, hingegeben“) ab und wird heute in mehreren Bedeutungen verwendet. Im allgemeinen Sprachgebrauch beschreibt er eine Haltung, die von Unterordnung, Gehorsam oder Nachgiebigkeit geprägt ist. Im psychologischen und insbesondere im sexuellen Kontext ist „devot“ ein zentrales Schlagwort, das vor allem im Rahmen von BDSM-Praktiken eine besondere Rolle spielt. Dabei geht es um einvernehmliche Machtspiele, in denen eine Person die unterwürfige, empfangende oder dienende Position einnimmt.
Im alltäglichen Sprachgebrauch kann „devot“ sowohl positiv als auch negativ verstanden werden. Jemand, der sich devot verhält, gilt oft als besonders pflichtbewusst, hilfsbereit oder respektvoll gegenüber Autoritäten. In übersteigerter Form wird das Wort aber abwertend gebraucht, um eine Person zu beschreiben, die sich kritiklos unterordnet, kaum eigene Initiative zeigt und sich aus Angst vor Konflikten zu sehr anpasst. In diesem Sinne steht „Devotion“ manchmal im Gegensatz zu Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit.
In der Psychologie wird ein devotes Verhalten nicht zwingend als Problem betrachtet. Viele Menschen besitzen eine ausgeprägte Tendenz zur Fürsorge oder zur Unterordnung, was in sozialen Zusammenhängen durchaus stabilisierend wirken kann. In Beziehungen kann eine devote Haltung Harmonie fördern, solange sie nicht auf Selbstaufgabe hinausläuft. Problematisch wird es, wenn Menschen ihre eigenen Bedürfnisse vollständig verdrängen, um anderen zu gefallen, oder wenn sie aus Abhängigkeit heraus devot handeln und dadurch in ungesunde Dynamiken geraten.
Im sexuellen Kontext erhält der Begriff „devot“ eine klar definierte Rolle. Besonders in BDSM (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism) bezeichnet „devot“ die Position des „Submissive“ (kurz: Sub). Devote Menschen erleben Lust daran, Kontrolle abzugeben, Anweisungen zu befolgen oder sich der Führung einer dominanten Person hinzugeben. Dies geschieht in der Regel bewusst, freiwillig und mit klaren Absprachen. Zentral ist das Prinzip des „Safe, Sane, Consensual“ (sicher, gesund, einvernehmlich), das sicherstellt, dass Machtspiele keine Grenzverletzungen darstellen.
Die Motivationen für devote Neigungen sind vielfältig. Für manche bedeutet Devotion Entlastung: Im Alltag müssen sie ständig Verantwortung übernehmen, während sie in der Rolle des Sub diese Last bewusst ablegen können. Für andere ist es eine Form intensiver Nähe, da das Vertrauen, sich in die Hände einer dominanten Person zu begeben, eine starke Bindung schafft. Wieder andere erleben Devotion als sinnliche Intensivierung – sei es durch Rituale, Regeln oder körperliche Praktiken wie Fesselungen.
Gesellschaftlich hat sich die Wahrnehmung von Devotion und Dominanz in den letzten Jahrzehnten verändert. Während solche Vorlieben früher tabuisiert und pathologisiert wurden, tragen heute Medien, Literatur und Online-Communities zu einer größeren Offenheit bei. Dennoch haftet dem Begriff „devot“ im Alltag oft ein Stigma an, da Unterordnung mit Schwäche gleichgesetzt wird. In Wahrheit jedoch wählen viele devote Menschen ihre Rolle bewusst und empfinden sie als Ausdruck von Stärke, Vertrauen und Selbstbestimmung.
Zusammengefasst beschreibt Devotion eine Haltung der Hingabe – sei es im alltäglichen, psychologischen oder sexuellen Sinne. Entscheidend ist der Kontext: Während ein übermäßig devotes Verhalten im Alltag zu Abhängigkeit und Selbstverlust führen kann, entfaltet es im einvernehmlichen Spiel zwischen Erwachsenen eine ganz andere Dimension. Dort wird Devotion nicht als Schwäche, sondern als aktive Entscheidung verstanden, Kontrolle abzugeben und in der Hingabe Erfüllung zu finden.
Submessive
Der Begriff Sub ist eine Abkürzung für Submissive und wird vor allem im Kontext von BDSM (Bondage, Discipline, Dominance, Submission, Sadism, Masochism) verwendet. Er bezeichnet eine Person, die in einer zwischenmenschlichen oder sexuellen Dynamik die unterwürfige, hingebende oder empfangende Rolle übernimmt. Dabei geht es nicht nur um körperliche Handlungen, sondern auch um psychologische Prozesse, emotionale Bindung und das bewusste Spiel mit Macht und Kontrolle.
Ein Sub ist nicht einfach „passiv“. Vielmehr handelt es sich um eine aktive Entscheidung, Verantwortung abzugeben und sich in die Hände einer dominanten Person (kurz: Dom oder Domme) zu begeben. Das geschieht stets auf Basis von Konsens und Vertrauen. Zentral im BDSM ist das Prinzip „Safe, Sane, Consensual“ (SSC) oder die neuere Formel „Risk Aware Consensual Kink“ (RACK). Beides betont, dass Praktiken nur dann legitim sind, wenn sie freiwillig, bewusst und sicher ausgeführt werden.
Die Motivationen, Sub zu sein, sind vielfältig. Manche Menschen erleben Lust daran, klare Anweisungen zu befolgen und dadurch eine Form von Struktur oder Halt zu finden. Andere genießen das Gefühl der Hingabe und die Intensität, die dadurch entsteht, dass sie ihre Kontrolle abgeben. Für viele ist es auch ein Ausgleich zum Alltag: Wer im Beruf viel Verantwortung trägt, kann in der Rolle des Sub Erleichterung empfinden, indem er diese Last zeitweise ablegt. Wiederum andere schätzen die rituellen Aspekte – etwa durch feste Regeln, bestimmte Gesten oder symbolische Akte wie das Tragen eines Collars (Halsbands), das die Zugehörigkeit zu einem Dom anzeigt.
Es gibt verschiedene Formen von Submission. Manche Subs bevorzugen leichte, spielerische Dynamiken, bei denen vor allem Gehorsam und sanfte Führung im Mittelpunkt stehen. Andere suchen nach intensiveren Erfahrungen, die körperliche Praktiken wie Bondage, Spanking oder Dominanzspiele einschließen. Darüber hinaus existieren langfristige Beziehungsmodelle, bei denen eine Sub-Rolle über den sexuellen Kontext hinausgeht, etwa in sogenannten „24/7“-Konstellationen. Dabei akzeptiert der Sub eine dauerhafte Unterordnung – allerdings immer mit klar definierten Grenzen und Rückzugsmöglichkeiten.
Die psychologische Dimension spielt eine große Rolle. Für viele Subs bedeutet Hingabe nicht etwa Schwäche, sondern Vertrauen. Sie geben sich einer anderen Person hin, weil sie ihre Grenzen klar kommunizieren und wissen, dass diese respektiert werden. Die Fähigkeit, sich fallen zu lassen, erfordert ein hohes Maß an Selbstbewusstsein und Selbstkenntnis. Zudem entwickeln Subs oft eine besondere Sensibilität für die Dynamik mit ihrem Dom – sie achten stark auf Signale, Stimmungen und Bedürfnisse.
Gesellschaftlich ist die Rolle des Sub ambivalent wahrgenommen. In der Alltagssprache wird „submissiv“ oft mit „unterwürfig“ oder „schwach“ gleichgesetzt. Innerhalb der BDSM-Community jedoch gilt Sub-Sein als aktive und gleichwertige Rolle im Spiel der Macht. Ein Dom kann nur dann dominant sein, wenn ein Sub bereit ist, diese Dominanz zu akzeptieren. Ohne gegenseitiges Einverständnis existiert keine echte Dynamik.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Ein Sub ist jemand, der in einer einvernehmlichen Beziehung oder Situation die hingebende Rolle übernimmt. Es ist ein facettenreiches Konzept, das körperliche, emotionale und psychologische Ebenen umfasst. Submission ist kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck einer bewussten Entscheidung, in der Hingabe und im Kontrollverlust Freude, Intensität und Erfüllung zu finden.